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04.03.2010 16:03

Asien, der infrastrukturelle Lynchpin


Cyril Schicker
Schwellenländer müssen verstärkt in hauseigene Infrastrukturen wie beispielsweise Strassen-, Eisenbahn-, Strom- und Telekommunikationsnetze investieren. Nur so können sie wieder die turmhohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre erreichen. Das nicht immer über alle Zweifel erhabene China lechzt förmlich nach mehr Infrastruktur

Im World Economic Outlook vergangenen Oktober geht der Internationale Währungsfonds (IWF) für das globale Wirtschaftswachstum 2009 von minus 1,3 Prozent aus. Dass die Prognose unsere Stirn nicht noch mehr in Sorgenfalten legt und für das angelaufene Jahr sogar ein Plus von zirka drei Prozent erwartet wird, ist vor allem den Schwellenländern, allen voran dem omnipräsenten China, zu verdanken. IWF-Experten «jonglieren» mit für europäische Verhältnisse schwindelerregenden Wachstumsprognosen. Mit chinesischen neun Prozent, um konkret zu sein.

Diese galoppierenden Wachstumsschritte sind herzallerliebst und vorbildlich, erfordern jedoch auch eine prosperierende Infrastruktur, den Schlüssel für das volkswirtschaftliche Gedeihen einer Nation. Und das kostet. Nach Angaben der Weltbank wird derzeit bereits mehr als die Hälfte der globalen Infrastrukturgelder in den Emerging Markets ausgegeben. Das Marktpotenzial wird bis 2012 auf zwölf Billionen Dollar geschätzt. Auch da übernimmt China eine mächtige Rolle. Die Regierung pumpt mit ihrem Konjunkturankurbelungspaket etwa 390 Milliarden Dollar in die Infrastruktur –so viel wie alle europäischen Staaten zusammen. Das Wirtschaftswachstumswunderland hat einen fürwahr schier unerschöpflichen Bedarf.

Investitionen à gogo
1,3 Milliarden Chinesen wollen beispielsweise bewegt werden. Am besten über die gesamten 9’571’302 Quadratkilometer, die das chinesische Territorium umfasst. Die derzeitige Infrastruktur ist aber überfordert: Pro 100 Quadratkilometer Landfläche bestehen lediglich 100 Bahnkilometer. Doch jetzt drängt es China auf die Überholspur, läuft doch der Ausbau des chinesischen Schienennetzes auf Hochtouren. Die Investitionen im Bahntransport stiegen in den ersten acht Monaten 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um üppige 103,5 Prozent. Momentan laufen rund 150 wichtige Eisenbahnprojekte. Laut Ministerium für Eisenbahnwesen sollen bis 2011 etwa 510 Milliarden Dollar in den Streckenausbau investiert werden.

Für ein Finanzengagement in (asiatische) Firmen, die mit der breit gefächerten Infrastrukturbranche verschachtelt sind, sprechen etwa die monopolartige Stellung wie auch die langfristig planbaren Bauprojekte. Infrastruktur-Investments haben keine Nachfrageelastizität und sind somit weitgehend unabhängig von der Wirtschaftsentwicklung. Diese Faktoren haben eine starke Magnetwirkung. Das merkt auch die Regierung Chinas. So hat sie jüngst zwei Banken damit beauftragt, ihre Eisenbahn-Holding 2010 an die Börse zu bringen. Potenzielle Aktionäre, so viele Experten, stünden bereits Schlange.

IPO made in China
Dass das Eisenbahngeschäft weit über die Miniaturkostbarkeiten aus dem Hause Merklin hinausgehen, dürfte augenscheinlich sein. Der legendäre US-Investor Warren Buffet hat seinen wohl begüterten Fuss auch schon in diese Türe gestellt. 44 Milliarden Dollar kostete ihn der Türöffner. So oder so, der geplante Börsengang der Eisenbahn-Holding wird wohl nur eine Transaktion unter vielen sein. Der Markt für chinesische Börsengänge wird laut Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) 2010 kräftig zulegen und erneut die IPO-Weltspitze erklimmen.

Dass Chinas IPO-Lust ungebrochen ist, bestätigt auch Philipp Hofstettler, Corporate Finance Leader bei PwC in Zürich: «Asien wird London und New York ablösen. Insbesondere rohstofforientierte Unternehmen gehen eher nach Asien, teilweise siedeln sie sogar um.» An diesem Trend partizipieren Anleger über entsprechende Investmentfonds - dazu gehören derzeit auch die beiden ETF S&P Global Infrastructure und Macquarie Global Infrastructure 100 - sowie über Strukturierte Produkte, im speziellen Tracker-Zertifikate. Langfristig Orientierte können auch direkt in Infrastrukturbauer und -zulieferer investieren.

Cyril Schicker ist Chefredaktor von PUNKTmagazin und investchannel.ch, zwei Produkten aus dem Hause financialmedia.


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