Redaktor «stocks»
Banken: Bär und SNB eröffnen Berichtssaison
Überraschend positiv fielen dagegen die Halbjahreszahlen der Julius Bär Bank aus. Vor allem punkto Neugeld (auch dank der ING-Übernahme) konnte die Bank die Erwartungen der Analysten schlagen. Auch die überaus solide Kapitalausstattung lässt der Bank Spielraum, um sich nach weiteren Übernahmeobjekten umzuschauen.
Für Stocks wesentlich wichtiger sind hingegen zwei andere Punkte: Erstens präsentierte sich der «neue» CEO Boris Collardi wesentlich sicherer und überzeugender als auch schon. Er scheint nach und nach in die Rolle des Chefs hineinzuwachsen und die übergross erscheinenden Fussstapfen seiner Vorgänger auszufüllen. Zweitens informierte die Bank nach Einschätzung von Stocks detaillierter über die Wachstumsstrategie in Asien und Lateinamerika.
Dennoch bleiben bei Julius Bär weiter Zweifel bestehen. Stocks beurteilt die bestehende Schwarzgeld- und Steuerdiskussion ausserhalb der Schweiz im Zusammenhang mit dem von Julius Bär verwalteten Vermögen weiter als Unsicherheitsfaktor. Denn es gibt weiter einige Stimmen in der Branche die behaupten, dass die Bank vor allem ausländische Vermögen betreue, wobei zu erwarten sei, dass es sich dabei nicht nur um versteuertes «Weissgeld» handeln dürfte.
Fazit:
Die Julius Bär Bank macht operativ grössere Schritte als erwartet. Sollte sich zudem das regulatorische Umfeld schneller aufhellen als erwartet, könnte die Bank zu alter Stärke zurückfinden. Auch wenn der Titel weiter günstig bewertet ist, sieht Stocks angesichts der immens unsicheren Stimmung im Bankensektor derzeit keinen Handlungsbedarf einzusteigen; eine wirklich nachhaltige Trendwende (Aktienkurs) ist das heutige Plus von gut drei Prozent noch nicht. Auch im Falle SNB sieht Stocks derzeit keinen Grund aktiv zu werden.
In den kommenden Tagen werden die grossen, global aufgestellten Bankenriesen wie CS, UBS oder Deutsche Bank, ihre Zahlen präsentieren. Bisher zeichnet sich allerdings ab, dass die Halbjahreszahlen die Erwartungen der Finanzgemeinde nicht ganz erfüllen werden können. Vor allem jene Institute mit einer starken Investment-Banking-Sparte dürften von dem turbulenten Marktumfeld der zurückliegenden Monate stark betroffen sein; was nach den «Rekordquartalen» im Investment Banking jedoch als begrüssenswerte Normalisierung betrachtet werden sollte. Stocks ist dennoch für das zweite Halbjahr vorsichtig optimistisch, dass sich der Bankensektor nach einem schwachen ersten Halbjahr erholen kann.
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