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04.02.2010 15:27
Urs Aeberli

Die Nationalbank stemmt sich gegen die Euro-Abwertung


SNB-Präsident Hildebrand verteidigt den Euro.
Bruno Arnold
Der Euro-Kurs hat sich in den vergangenen Tagen über der Marke von 1.47 Franken stabilisiert. Dahinter stehe eine Marktintervention der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu Gunsten des Euros, sind Devisenexperten überzeugt. Die SNB kommentiert wie üblich nicht ihre Eingriffe am Devisenmarkt. Trotzdem gibt es Hinweise, dass die Interventionsschwelle unter dem neuen SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand tiefer als früher liegt, nämlich bei 1.47 Franken.

Anfang Jahr übernahm Philipp Hildebrand die Nachfolge von Jean-Pierre Roth als Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Seither lässt sich ein Kurswechsel beobachten, denn der Euro tauchte kurz vor dem Jahreswechsel unter die magische Schwelle von 1.50 Franken und verharrt seither hartnäckig darunter. Die SNB kommentiert normalerweise weder ihre Devisenmarktoperationen noch äussert sie sich zu spezifischen Wechselkurszielen. Doch gemäss einhelliger Auffassung von Beobachtern lag die Interventionsmarke der SNB bislang bei 1.50. Gerold Bührer, der Präsident des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse, erklärt: «Ein Euro-Wechselkurs unter 1.50 stellt eine erhebliche Erschwernis für das Gros der Unternehmen unserer Exportindustrie dar.» So hat Hildebrands Vorgänger Roth im März 2009 im Devisenmarkt massiv eingegriffen, als der Euro sogar bis unter 1.46 fiel.

Devisenmarktintervention der Nationalbank

In den zurückliegenden Tagen hat nun offenbar auch Hildebrand interveniert. «Die SNB hat den letzten Freitagabend des Januars genutzt, um nach Schliessung der Finanzmärkte in der Schweiz im Devisenmarkt zu intervenieren», so Marc Spaelti, bei Ducascopy (Suisse) zuständig für Research & Monitoring. «Dabei hat die SNB davon profitiert, dass die meisten Devisenhändler bei Schweizer Ban¬¬ken ihre Positionen zum Wochenende schon geschlossen hatten und dass deshalb nur eine reduzierte Liquidität zur Verfügung stand.» Bereits in den Tagen zuvor hat der frischgebackene SNB-Präsident Hildebrand in den Medien klargestellt: «Die SNB wird eine übermässige Verteuerung des Frankens gegenüber dem Euro weiterhin entschieden bekämpfen.»

Damit macht Hildebrand eine kleine, aber wichtige Änderung in der Wortwahl, die schon sein Vorgänger Roth bei seiner letzten geldpolitischen Lagebeurteilung im Dezember eingeleitet hat: Hatte die SNB in den Monaten zuvor immer gesagt, sie wirke einem Frankenanstieg entschieden entgegen, tut sie dies nun nur noch bei einer «übermässigen» Aufwertung.

Darin spiegelt sich wider, dass sich die Lage an den Devisenmärkten wieder weitgehend normalisiert hat – so sehr, dass die SNB am 18. Januar auch die Einstellung ihrer Euro/Franken-Devisenmarktswaps bekanntgeben konnte. Drastische Eingriffe in die Währungsmärkte sind nicht nur weniger dringend geworden als zuvor, sondern auch riskanter. Zum einen bilden nämlich aufgrund der Devisenmarktoperationen bereits jetzt Währungsanlagen rund die Hälfte der SNB-Aktiva – das stellt ein Klumpenrisiko für die SNB-Bilanz dar, zum andern weiten Stützungskäufe des Euro die Franken-Geldmenge im Markt aus und verstärken damit die langfristigen Inflationsgefahren. Vor diesem Hintergrund dürfte die SNB ihre Interventionsmarke tiefer legen als früher. Von 1.47 spricht Nannette Hechler-Fayd'herbe, Leiterin Global Fixed Income and Credit Research bei Credit Suisse. Das würde die Vermutung unterstützen, dass die SNB tatsächlich Ende Januar bei diesem Niveau den Euro gestützt hat.

Die Devisenmärkte werden den Willen der SNB weiter testen

Die Märkte werden den Willen der SNB zur Stützung des Euros weiter testen. So sieht beispielsweise die Zürcher Kantonalbank eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass der Euro wieder auf 1.4690 gedrückt wird. In der Folge könnten wir dann auch nochmals die Januar-Tiefstkurse um 1.4635 sehen. Wäre dies der Fall, so läge das nächste charttechnische Kursziel bei 1.4580. Und in dieser Region wären dann aber wohl massive SNB-Interventionen zu erwarten, sieht doch Economiesuisse-Präsident Bührer die «absolute Schmerzgrenze» für die Schweizer Wirtschaft bei 1.45.

Angesichts der neuerlichen Angriffe des Devisenmarktes auf den Euro werde dieser weiterhin schwach bleiben und im ersten Semester mehrheitlich bei plus, minus 1.47 Franken verharren, glauben die Experten der US-Bank Goldman Sachs. Für Druck sorgt dabei nicht nur der Glaubwürdigkeitsverlust des Euro aufgrund der ausufernden Staatsdefizite in Griechenland und in anderen EU-Mitgliedsländern, sondern auch die geringe Zinsdifferenz zwischen Franken und Euro. Diese wird sich zugunsten des Frankens weiter verringern, denn gemäss Goldman Sachs und Credit Suisse wird die SNB im dritten und vierten Quartal ihren Leitzins um je einen Viertelprozentpunkt anheben – und damit der Europäischen Zentralbank zuvorkommen.


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