Eine Einschränkung der US-Banken wirkt weit über die Finanzbranche hinaus – bis auf die Rohstoffmärkte

Die US-Vorschläge schiessen übers Ziel hinaus.
Das vorgeschlagene Verbot für US-Banken, in Hedge Funds und Private-Equtiy-Fonds zu investieren, sie zu besitzen oder sie in irgendeiner Art zu «sponsern», dürfte zu einer weiteren Redimensionierung dieser beiden Finanzsektoren führen. Im Markt für Finanzierung von Fusionen und Übernahmen beispielsweise werden die Private-Equity-Firmen mangels Kapital und Bankkrediten noch weiter an Boden verlieren gegenüber industriellen Investoren und noch weniger als bislang bei Grossübernahmen mitbieten können. So hat denn die Aktie der Private-Equity-Firma Blackstone am Freitag an der New Yorker Börse deutlich an Wert eingebüsst, sollen doch US-Banken als Kapitalgeber für neun Prozent der globalen Private-Equity-Branche verantwortlich sein, schätzt die Londoner Research-Firma Preqin. Besonders stark engagiert mit eigenen Private-Equity-Firmen sind dabei Goldman Sachs und JP Morgan.
Rohstoffmärkte sorgen sich – oder können europäische Institute die Lücke füllen?
Deutliche Folgen zeichnen sich auch für die Rohstoffmärkte ab, deren Kurse bislang stark von den Hedge Funds getrieben werden. Die Sorge, dass dieser Faktor künftig ausfallen könnte, liess vor dem Wochenende fast alle Rohwarennotierungen fallen. So sank etwa der Erdölpreis unter 75 Dollar, und auch das Gold ging auf ein Ein-Monats-Tief unter 1100 Dollar zurück.
Allerdings: Bislang sieht es nicht danach aus, dass europäische Regulatoren den US-Vorschlägen hinsichtlich Hedge Funds und Private Equity folgen würden. Die Lücke, die US-Banken hinterlassen, könnte daher zum Teil von schweizerischen, britischen, deutschen und französischen Grossbanken geschlossen werden.
Verbot des Eigenhandels trifft Derivatindustrie
Das Verbot des Eigenhandels trifft die Banken unterschiedlich. Bei Bank of America und JP Morgan Chase macht er weniger als ein Prozent des Umsatzes aus, bei Citigroup unter fünf Prozent. Goldman Sachs dagegen erwirtschaftet zehn Prozent in diesem Bereich, und der Verzicht könnte einen Ausfall von gegen fünf Milliarden Dollar bedeuten, schätzen Analysten. Der Eigenhandel lässt sich allerdings oft nur schwer eingrenzen und damit regulieren. Denn der Eigenhandel dient vielfach auch dazu, die für Kunden eingegangenen Wertpapierpositionen abzusichern. Bei einer sehr restriktiven Auslegung könnten Institute wie Goldman Sachs hart betroffen sein, die stark im Derivathandel für Privat- und Industriekunden aktiv sind und als Absicherung dieser Aktivitäten auch grosse Eigenhandelsgeschäfte tätigen.
Angesichts der schwierigen Abgrenzung ist offen, ob europäische und insbesondere Schweizer Regulatoren den USA punkto Eigenhandel folgen. Die Schweizer Grossbanken wären relativ stark exponiert, macht doch bei der UBS der Eigenhandel rund zehn und bei der CS rund zehn bis 15 Prozent des Handelsumsatzes aus.
Fazit: Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Finanzsektors nimmt ab
Die Chance, dass Obama mit seinen Plänen durchkomme, sei gross, glaubt Christian Gattiker, der das Research bei der Bank Julius Bär leitet. Damit dürfte sich einerseits das Geschäftsmodell der Grossbanken nachhaltig ändern, verbunden mit einer möglichen Aufspaltungen der ursprünglichen Investmenthäuser in kleinere Einheiten für M&A-Beratung, Private Equity, Hedge Funds und so weiter. Andererseits dürfte die Eigenkapitalrendite und die Wertschöpfungskraft der Banken unter Druck kommen.
Dabei lohnt sich ein Blick zurück. Am Tiefpunkt 1982 trugen die US-Finanzunternehmen nur 0,2 Prozent zur gesamten US-Wertschöpfung beziehungsweise zum amerikanischen Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. Der US-Finanzsektor erfreute sich dann im Verlauf der 80er Jahre steigender volkswirtschaftlicher Bedeutung, dies infolge der Deregulierung zu Anfang der Reagan-Ära nahm. «Von da an kletterten die Gewinne bis auf einen Höhepunkt von 2,8 Prozent des BIP im Jahr 2005», rechnet Gattiker vor. Auch Mitte 2009 brachte es der staatlich gerettete Finanzsektor wieder auf einen Gewinnanteil von über zwei Prozent - «rund doppelt so hoch wie der Durchschnitt der letzten rund 50 Jahre».
Die auf der Stufe der Einzelstaaten ergriffenen Massnahmen wie auch die auf supranationaler Ebene aufgegleisten verschärften Regulatorien könnten den BIP-Anteil des Finanzsektors wieder auf den langjährigen Durchschnitt zurückbringen, glaubt Gattiker. Die damit einhergehende Halbierung der Gewinne könnte zwar durch Anpassen der Kosten abgefedert werden. Trotzdem meint Gattiker: «Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite kotierter Banken von über 18 Prozent im Durchschnitt am Höhepunkt des Zyklus dürfte dennoch Geschichte sein. Einen Höhepunkt von zwölf bis 13 Prozent scheint realistisch bis 2012.»
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