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22.07.2010 09:17

Eine durchzogene Zahlenflut
vom Rheinknie

Mit Roche, Syngenta und Lonza haben heute gleich drei Basler SMI-Unternehmen die Halbjahreszahlen vorgelegt. Dabei ist hie und da Ernüchterung festzustellen. Stocks nimmt die Ergebnisse unter die Lupe.

«Bei 100 Franken kaufen wir», witzelte ein Kollege vor wenigen Tagen – und meinte damit den Roche-Genussschein. In der Tat ist dieser 2010 eine der ganz grossen Enttäuschungen. Zwar waren die 100 Franken überzeichnet gemeint, doch die Talfahrt hat zwischenzeitlich schon beängstigende Masse angenommen. Und nun noch: Die Wirksamkeit des Top-Umsatzträger Avastin beim Einsatz gegen Brustkrebs wird in den USA bezweifelt – viel deutet darauf hin, dass Mitte September die Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung aussetzt. Das heute vorgelegte Zahlenmaterial hat die Abwärtsbewegung zumindest gestoppt, Impulse nach oben sind vorerst aber keine vorhanden. «Gute Zahlen», kommentiert Firmenchef Severin Schwan – doch die Unsicherheiten bleiben im Raum. Positiv zu werten ist die Tatsache, dass Schwan an den Prognosen für 2010 festhält.

Dies kann man vom Standort-Nachbarn Syngenta leider nicht behaupten: Der Preisdruck im Pflanzenschutz-Geschäft hat Firmenchef Michael Mack einen Strich durch die Rechnung gemacht. Lag der Umsatz im 1. Halbjahr 2010 zwar über den Erwartungen, schlug sich dies unter dem Strich nicht nieder. Ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau, so heisst neu die Vorgabe für 2010. Bis dato galt die Marschrichtung, beim Betriebsgewinn (Stufe Ebit) besser als 2009 abzuschneiden – entsprechend harsch fällt die Reaktion an der Börse aus.

Eine ähnliche Kursentwicklung wie Roche hat Lonza durchgemacht: Auf Grund enttäuschender Meldungen abgestraft – aber heute die Situation nicht verschlimmert. Mit dem Halbjahresergebnis kann der Life-Science-Konzern nämlich punkto Profitabilität punkten. Entsprechend soll 2010 das Vorjahresergebnis gehalten werden können, was nach dem Dämpfer im vergangenen Herbst alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Allerdings darf das Ergebnis nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Sparte Life Science Ingredients die Gewinndynamik abnahm. Aufgewogen wird dieser Makel aber durch die Tatsache, dass der Outsourcing-Trend seitens der Pharmabranche wieder zunimmt, was Lonza als Auftragsfertiger zugute kommt. So kommt Firmenchef Stefan Borgas denn auch zum Schluss, dass das vorgelegte Ergebnis «ermutigend» sei.

Fazit:
Stocks belässt auf Grund der heutigen Halbjahreszahlen die bisherigen Ratings. Mit anderen Worten: Lonza bleibt für mittelfristig ausgerichtete Anleger ein Kauf. Die Firma hat früh die Schrauben angezogen und kann punkto Profitabilität nun die Früchte ernten – eine weiter steigende Kapazitätsauslastung kann hier sogar Hebelwirkung entfachen. Nach dem heutigen Kurstaucher muss auch Syngenta auf dem Radarschirm bleiben: Der Marktführer im Pflanzenschutz ist trotz erodierenden Margen in einer Position der Stärke. Kurstechnisches Sorgenkind bleibt Roche: Der Pharmariese ist punkto Wachstum und Profitabilität ein Musterknabe der Branche – mit der heutigen Prognose-Bestätigung des Managements dürfte aber vorerst «nur» für eine Kursberuhigung gesorgt worden sein.




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