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23.02.2010 08:56
Jürgen Büttner

Steigende US-Leitzinsen eher eine Kursbremse als ein Kurskiller


Die Erhöhung des US-Diskontsatzes bremst die Börse
Steigende Zinsen und steigende Aktienkurse vertragen sich nicht. Zumindest ist das eine weit verbreitete Annahme unter den Börsianern. Stimmt diese These, hätten die Anleger jetzt Grund zur Sorge. Denn die amerikanische Notenbank Fed hat am 18. Februar ihren Diskontsatz von 0,5 auf 0,75 Prozent angehoben.

Der Diskontsatz als Spitzenrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken bei der Fed unmittelbar Geld leihen können, hat zwar nur geringe geldpolitische und ökonomische Wirkung. Und wie es in einer Erklärung der Fed hiess, wird die als eigentlicher Leitzins fungierende US Funds Rate selbst auch noch während eines langen Zeitraums weiter zwischen 0,00 und 0,25 Prozent liegen. Dennoch muss letztlich festgehalen werden, dass die US-Notenbank damit das erste Mal seit Beginn der Finanzmarktkrise 2007 einen ihrer Zinssätze angehoben hat. Es scheint somit nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch die echte Zinswende über eine Anhebung der Funds Rate vollzogen wird.

US-Leitzinserhöhungen haben einen bremsenden Einfluss…

Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, zu überprüfen, ob steigende Leitzinsen den Börsenkursen schaden. Um für Aufklärung zu sorgen, hat Sam Stovall, Investmentstratege beim amerikanischen Finanzdienstleister Standard & Poor´s, den Blick zurück in die Geschichte geworfen. Auf Basis des S&P 500 Index errechnet sich dabei seit 1946 zunächst im Schnitt für alle Jahre ein jährliches Plus von 8,1 Prozent. Alle sechs Monate konnte somit ein Anstieg um rund vier Prozent verbucht werden.

Wie die Geschichtsbücher ausserdem zeigen, gab es seit dieser Zeit 13 Zinserhöhungszyklen, die sich im Schnitt über einen Zeitraum von 25 Monaten hinzogen. Der S&P 500 Index hat dabei in den sechs Monaten nach der ersten Zinserhöhung durchschnittlich um 2,6 Prozent zugelegt. Und in den 12 Monaten danach belief sich der Kursgewinn dann auf 6,2 Prozent. In beiden Zinserhöhungsperioden fällt das Plus somit geringer aus als sonst im Schnitt üblich. Das lässt den Schluss zu, dass Zinserhöhungen durchaus einen bremsenden Einfluss auf die Kursentwicklung haben.

Sie würgen den Markt aber auch nicht komplett ab. Zumal laut Stovall nicht auszuschliessen ist, dass die Kurse auch in einer Art sich selbst erfüllender Prophezeiung deshalb weniger gestiegen sind, weil die Marktteilnehmer wegen ihrer negativen Grundhaltung zu Zinserhöhungen einen Gang zurückgeschaltet haben bei ihren Käufen.

… insbesondere auf Versorger, Finanzwerte und Grundstoffe

Was die Performance einzelner Branchen angeht, fällt zudem noch die vergleichsweise gute Entwicklung der Sektoren Informationstechnologie, Gesundheit und Telekom-Dienstleister auf. Schlecht schneiden dagegen Versorger, Finanzwerte und Grundstoffe ab. Ein klares Urteil darüber, ob in Phasen steigender Zinsen nun zyklische oder defensive Werte zu bevorzugen sind, lassen die historischen Performance-Werte aber laut Stovall nicht zu. Auf Basis der von ihm ermittelten Ergebnisse hält es der S&P-Investmentstratege zudem nicht für angebracht, sich wegen der Gefahr steigender Leitzinsen komplett vom Aktienmarkt zu verabschieden. Allerdings könnte es nach seiner Einschätzung auch aufgrund der historischen Erfahrungen durchaus sein, dass die Kurszuwächse demnächst wieder etwas geringer ausfallen werden.


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