«Buy and Hold»: Hat diese Anlagestrategie noch Zukunft?

2000-2009 waren Nullerjahre an der Börse.
Die zurückligende Dekade von 2000 bis 2009 war nicht nur rein numerisch eine Periode der Nullerjahre. Auch von der Börsenperformance her hatten viele Anleger eine Null im Depot – oder schnitten sogar noch schlechter ab. Zwei derart heftige Börsencrashs innerhalb eines Jahrzehnts, wie wir sie 2000-2003 und 2008-2009 erlebt haben, sind einmalig in der Börsengeschichte.
Aber längere Perioden mit schlechter Performance sind keine Seltenheit. Auch die Dekade der 30er Jahre schloss mit einer negativen Gesamtperformance ab, und jene der 70er Jahre war nur knapp positiv. «Anleger müssten daher wohl einen Horizont von 25 Jahren unterstellen, um mit Aktien einigermassen sicher Geld zu verdienen», meinte Ariane Dehn von Henderson Global Investors an der Diskussionsrunde anlässlich der Zürcher Messe «Fonds'10». In der Praxis operiere die Vermögensverwaltung der Zürcher Kantonalbank mit sieben bis zehn Jahren, erklärte Marco Curti.
Strategien gegen Börsenschwankungen
Trotzdem: Ein langer Anlagehorizont allein vermag Anlageverluste nicht mit letzter Sicherheit zu verhindern. «Buy and Hold» werde daher oft zu «Pray and Hold», also Beten und Halten, wie Curti kritisch anmerkte. Curti und Dehn schlagen infolgedessen vier Strategien vor, um Wertschwankungen bei Aktienanlagen weitestgehend zu begrenzen:
- Long/Short: Dehn empfiehlt als Depotbeimischung Publikumsfonds, die sich die traditionelle Long/Short-Strategie von Hedge Funds zunutze machen, also nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse setzen.
- Dividendenstrategien: Firmen, die traditionell hohe Dividenden ausschütten, entwickeln sich während schwierigen Börsenphasen in der Regel besser als der Gesamtmarkt, da sie typischerweise solide Geschäftsmodelle und Bilanzen aufweisen. Zudem ist gerade die Dividende in schwachen Marktphasen ein wichtiger Performancebestandteil. So hat der Schweizer Aktienindex SMI 2000 bis 2009 ohne Berücksichtigung der Dividenden 13,5 Prozent verloren. Unter Einrechnung von Ausschüttungen, die konsequent in die Aktien reinvestiert worden wären, hätte sich ein Plus von immerhin 5,4 Prozent über die gesamte Periode ergeben. Curti empfiehlt daher, im Zweifelsfall thesaurierende Anlagefonds und ETF (also Produkte, die die Dividenden reinvestieren) gegenüber solchen Finanzprodukten vorzuziehen, die die Dividenden ausschütten.
- Durchschnittskostenmethode: Dehn empfiehlt, dass Anleger periodisch, beispielsweise monatlich oder quartalsweise, immer eine konstante Summe in Fonds investieren. In Baissen reicht das für mehr Fondsanteile, in Haussen für weniger. Dadurch ergibt sich automatisch ein Ausgleich der Kursschwankungen: mehr Zukäufe zu tiefen Preisen, weniger zu teuren Preisen.
- Rebalancing: Curti rät, periodisch, zum Beispiel jährlich, die Gewichtung der Anlageklassen innerhalb der Vermögensaufteilung zu überprüfen. Ist beispielsweise Ende Jahr die Aktienquote durch steigende Börsen von ursprünglich festgelegten 30 auf 35 Prozent angewachsen, sind im Umfang von fünf Prozentpunkten jene Aktien aus dem Depot zu verkaufen, die die schlechtesten Gewinnaussichten bieten. Dadurch resultiert ein antizyklisches Verhalten wie bei der Durchschnittskostenmethode: Aktien werden in Haussen verkauft und in Baissen dazugekauft.
Wachstumsbranchen wählen
Mit den erwähnten vier Strategien lassen sich Kursschwankungen verringern. Wichtig ist aber auch, auf die «richtigen», sprich aussichtsreichen Aktienkategorien zu setzen. Hierbei empfiehlt Ariane Dehn zum Beispiel die Sektoren Technologie und Infrastruktur sowie Firmen, die vom demografischen Wandel und vom Trend zum Outsourcing profitieren. Interessant sind für Marco Curti zudem auch das Anlagethema Nachhaltigkeit sowie Unternehmen, die von der Wachstumsstärke der Schwellenländer profitieren.
Denn die kardinale Voraussetzung, dass nach der Nuller-Dekade die Jahre 2010 bis 2019 wiederum eine positive Performance liefern, ist Wirtschaftswachstum. Und dabei haben derzeit die Schwellenländer gegenüber den unter hohen Staatsschulden und Arbeitslosenraten leidenden Industrieländern die Nase vorn.
Lesen Sie mehr zum Thema in der aktuellen Ausgabe von Stocks, die seit Freitag, 5. Februar, am Kiosk im Verkauf ist. Nachdem die zurückliegende Dekade gezeigt hat, dass Anleger nicht allein auf nachhaltig steigende Aktienkurse vertrauen sollten, zeigt Stocks zehn Tipps und Tricks, wie man sich auch in schwankenden Märkten zurechtfindet.
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