
Bild: Bloomberg
In der neuen Stadt Ordos in der inneren Mongolei sind die meisten Apartments unbewohnt. Aber nicht nur an der Peripherie des Landes, auch in Metropolen wie Shanghai, Peking, Guangzhou und Shenzen gibt es Leerstände: Bürotürme suchen nach Mietern. Bereits seit längerem werden chinesische Baukonzerne an Hongkongs Börse zunehmend kühl behandelt: Excellence Real Estate Group und Sunac China Holdings, die am 3. November und am 18. Dezember 2009 an die Börse gehen wollten, mussten ihr Vorhaben auf Eis legen.
Aufmerksam auf die wachsende Bauhalde in China wurden denn auch namhafte Contrarians – wie James Chanos, Chef des New Yorker Kyrion Fund. Chanos hatte unter anderem den Zusammenbruch des US-Energiekonzerns Enron vorausgesagt. Als Contrarian wettet er gegen die grassierende China-Euphorie und hält gar einen Immobilien-Crash in China für möglich. Damit macht er sich freilich nicht nur Freunde bei den anderen Profis.
Zum Beispiel bei Jim Rogers: Dieser widerspricht ergrimmt, dass Peking mit dem Stimulierungspaket vor allem die Spekulation an der Börse und bei Immobilien angeheizt habe. Es sei seltsam, dass Leute, die vor einigen Jahren nicht einmal das Wort China richtig buchstabieren konnten, nun derartige Prognosen wagten, raunzte der einstige Mitbegründer von George Soros’ Quantum Fund. Allerdings übersieht Rogers, dass auch die chinesische Regierung mit zunehmendem Unbehagen auf die Bauprojekte für Wohn- und Geschäftsliegenschaften blickt.
So beklagte Ende Dezember Premierminister Wen Jiabao, dass die Immobilienpreise «in einigen Städten zu schnell steigen». Die Regierung müsse das aufmerksam verfolgen, fügte er an. Yao Zhizhong und He Fan, zwei Ökonomen des staatlichen Think Tank «Chinese Academy of Social Sciences (CASS)», warnten Anfang des Jahres vor einer galoppierenden Inflation und davor, dass die Immobilienblase platzen könnte, wenn die Regierung nicht schleunigst ihre Konjunkturmassnahmen zurückfahre. Bei einem Stopp der wirtschaftspolitischen Stimulierung würde nach ihren Berechnungen 2010 immer noch ein Wachstum von 7,7 Prozent resultieren. Premier Wen hat offenbar gut zugehört: Er wies Anfang Januar die chinesische Zentralbank People’s Bank of China an, die Zinsen langsam wieder nach oben zu bringen und höhere Rücklagen von den Banken zu fordern, um die Immobilienfinanzierung zu bremsen.
Zu den Warnern zählt auch der Schweizer Marc Faber, der Anleger zur Vorsicht mahnt, aber immerhin den Start einer Talfahrt noch nicht in den nächsten Wochen sieht. Skeptisch ist auch Andy Xie, der einst in Hongkong als China-Chefökonom für Morgan Stanley arbeitete. Die lokalen Behörden hätten den grössten Teil der seit gut einem Jahr rollenden Kreditlawine der Banken in den Immobiliensektor geschleust, monierte er in einem Beitrag für das Wirtschaftsmagazin «Caixin». Wen Jiabao hatte nämlich Ende Dezember versichert, dass die staatlichen und die von den Banken kommenden Mittel wegen der industriellen Überkapazitäten nicht ins produzierende Gewerbe investiert würden.
Wie Chanos hält es auch Xie für so gut wie ausgeschlossen, dass sich die seit mehr als einem Jahr ins chinesische Wirtschaftssystem gepumpte, ungeheuere Geldmenge einfach ohne Teuerungsfolgen zurückfahren lässt. In den USA dauere es etwa 18 Monate bis sich die Geldmengenausweitung in einer steigenden Inflation niederschlage, rechnet Xie vor. Weil in China die Subventionierung gewisse Güterpreise tief halte, könne es dort etwas länger dauern, bis die Teuerungsraten steigen würden. Er tippt daher auf den Ausbruch der Krise im 2012. Der Inflationsdruck müsse sich dabei nicht zwingend in höheren Konsumentenpreisen entladen, sondern könne auch zu teureren Immobilienpreisen führen. Daher warnt Xie: «2012 wird die Immobilienblase platzen.»

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